Betreutes Wohnen

Hier ein paar Ansichten meiner Serie ‚Betreutes Wohnen‚.

Ähnlich wie schon die Serie davon beschäftigt auch sie sich u.a. mit meinem Aspekt der Körperlichkeit,- hier jedoch dem weggesperrten Körper.

„Das ist das Faszinierende an den Gefängnissen, dass sich die Gewalt nicht verbirgt, nicht maskiert, dass sie sich als eine bis in die letzten Details ausgeklügelte zynische Tyrannei darstellt und dass sie andererseits vollkommen „gerechtfertigt“ ist, da sie in eine Moral eingebettet ist: Ihre brutale Tyrannei ist die ungetrübte Herrschaft des Guten über das Böse, die Ordnung über die Unordnung.“*

*Michel Foucault: Von der Subversion des Wissens, Frankfurt/M u.a.: Ullstein, 1978

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Im Wesentlichen handelt es sich bei den gezeigten Arbeiten um Urlaubsfotos, die im Herbst des Jahres 2009 entstanden.
Auf die Idee dieser Reise kam ich durch den omnimedial verbreiteten Jubel zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland, der u.a. von einer wohlkuratierten Ausstellung zum Thema kündete. Hierdurch wurde in mir die große Sehnsucht nach einer deutschen Herbstreise wach, aus welcher eben jene Fotos resultieren, die Anfang 2010 gezeigt wurden:
Nicht als Erwiderung auf die erwähnte Ausstellung, sondern als ein ganz persönlicher Geburtstagsgruß, nachträglich.

Mein Ausflug führte mich an rund 32 unterschiedliche Orte, wobei es zum Konzept gehörte, strikt Landstraße zu fahren, um einen entsprechenden Eindruck des Landes zu erhaschen. Summa summarum gewann dabei jedoch eine eher triste Stimmung Oberhand, die lediglich durch gelegentliche Stopps an diversen Zuchthäusern gehoben wurde:
Denn allein hier vermittelte sich der Sieg des Guten über das Böse, über Halunken und Terroristen, in seiner vollen Pracht.
Es entstand also, angelehnt an Foulcaults oben genanntes Zitat, eine Serie positiver Gefängnisbilder, wobei ich mit positiver Darstellung – angelehnt an Bourdieus Studie zur Fotografie (*eine illegitime Kunst, eva – Europäische Verlangsanstalt, 2006) – meine, dass sich über den Versuch eines bewusst provozierten und von daher um so leichter zu entschlüsselnden Bedeutungsüberschuss der Arbeiten, eine Ästhetik offenbart, die einen Aspekt genau jenes Systems bildet, dass die dargestellten Zuchthäuser bedingt.
Die Aufnahmen sollten also weniger als farbentsättigte Reportagefotografie daherkommen, sondern ‚farbenfroh‘: Formal gesehen ging es dabei auch um die Herausforderung den Spagat zwischen farbig und bunt zu meistern, so dass die Fotos eher an Ansichtspostkarten einer Reise, denn an Terror erinnern. Die Ästhetik der Darstellung wird bewusst als Dimension innerhalb eines Systems implizierter Werte benutzt : Deshalb präsentiere ich die Bilder auch in braunen Rahmen:
Wirklich sehr schön sieht das aus, wie ein Spiel mit Versatzstücken der zeitgenössischen ‚Volkskunst‚, in der sich die künstlerische Tätigkeit gesellschaftlich normierten Funktionen unterordnet.
Kurz und gut: Wider eines fälschlich rigorosen Objektivismus ging es mir neben der Freude darüber, einmal meine Urlaubsfotos ausstellen zu dürfen, auch darum, die Beziehungssysteme herauszuarbeiten, die sich hinter präkonstruierten Totalitäten verbergen.